Vorträge / Abstracts

Volker Fischer (Museum für Kunsthandwerk, Frankfurt a. M.)
Sterne und Schneewittchen. Audio-Märchen hüben und drüben

Die Radio- und TV-Produkte der beiden Teile Deutschlands haben sich einerseits parallel, andererseits aber auch jeweils durchaus eigenwillig entwickelt. Vor allem die Produkte der Braun AG aus Kronberg wirkten diesseits und jenseits der Grenze stilbildend. Heli und Stern-Radio hatten mit „Undine“ und „Berolina“ aber auch Rheingoldiges im Programm, während der modulare Laborstil von Braun, dieses „feurige Mausgrau der Ulmer Schule“, die leise Ordnung der Dinge zelebrierte. Auch die Folgen werden bedacht, die zwischen Minimalismus, Muskulärem und „zu viel Dekolleté“ changieren. Ein Ausblick auf die „I–podia“ beschließt den Vortrag.

Günter Höhne (Berlin)
Hinsehen, aber nicht abgucken.

Wie Braun-Produkte ihre Schatten auf das Design in der DDR warfen Die funktionalistische junge Garde der DDR-Industrieformgestalter der Fünfziger- und Sechzigerjahre orientierte sich – neben Leitbildern des Bauhauses – an den Designleistungen Skandinaviens, in deren dinglichen Ergebnissen sie oftmals ihre eigenen Ideale von einer demokratischen, funktionalen seriellen Produktkultur verwirklicht sah. Daneben wurden aber aufmerksam auch vom gleichen Geist inspirierte Produktentwürfe in der BRD wahr- und zu Vorbildern genommen; neben Arbeiten und Publikationen Braun-Feldwegs sowie Entwürfen der HfG Ulm vor allem Entwicklungen aus dem Hause Braun insgesamt und von Dieter Rams im besonderen. Der gestalterische Einfluss des Braun-Designs auf DDR-Erzeugnisentwicklungen schlug sich sowohl in bewussten Anlehnungen, in einzelnen Fällen auch in Kopien Braun’scher Vorbilder nieder, vielmehr aber im eigenschöpferischen Aufgreifen der Designphilosophie vom „Weniger ist mehr“, wofür vor allem industrielle Serienentwürfe des Gestalter-Duos Karl Clauss Dietel und Lutz Rudolph für den mitteldeutschen Rundfunkgerätehersteller HELIRADIO stehen.

Anne Feuchter-Schawelka (Weimar)
Die moderne Vase der 50er Jahre in Ost und West

Thematisiert wird ein alltäglicher Ziergegenstand der Manufaktur- und Handwerksproduktion. Zentral beleuchtet werden dabei „Vorzeigemodelle“ für „moderne Vasen“, die in verblüffend divergierender Formenvielfalt nach 1950 von ehemaligen Bauhäuslern, wie Theodor Bogler, Wilhelm Wagenfeld, Otto Lindig oder Hanns Hoffmann-Lederer entworfen und produziert wurden. Ihre organischen, asymmetrischen oder formalstrengen Modelle, vielfach kopiert und phantasievoll dekoriert, gaben Anlass zu Streitgesprächen über die „gute Form“ resp. den Kitsch im Osten wie im Westen Deutschlands.

Gert Selle (München)
Ähnlich oder verschieden?

Über formalästhetische Verwandtschaften von Design-Objekten und deren hintergrundbestimmte Wahrnehmung in Ost- und Westdeutschland vor 1989.

Elke Beilfuß (Bauhaus-Universität Weimar)
Kitsch, Horst Michel und die Geschmacksfrage in Ost und West

Horst Michel (1904-1989) sah in der modernen Massenproduktion seit der Industrialisierung die Entstehung des Kitsch‘ begründet und schließt damit an die historisch überlieferte Definition, was denn Kitsch sei, an. Im Vortrag wird es insbesondere darum gehen, wie die Debatte über Kitsch und Geschmack in der DDR und der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren ähnlich aber auch unterschiedlich geführt wurde.

Siegfried Gronert (Bauhaus-Universität Weimar)
Weimar - Darmstadt.
Ein Dialog über den "deutschen Stil" im Jahre 1957

Mit der Ausstellung des Weimarer „Instituts für Innengestaltung“, die 1957 auf Einladung des „Institut für Neue technische Form“ in Darmstadt stattfand, erhielt die Diskussion über den „deutschen Stil“, den die Großherzöge in Darmstadt und Weimar um 1900 begonnen hatten, eine neue Dimension. In der Nachfolge von Olbrich und van de Velde konnten die beiden Institutsleiter Horst Michel (Weimar) und Gotthold Schneider (Darmstadt) die gestalterischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede vordergründig nur vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Systeme moderieren.

David Crowley (Royal College of Art, London)
Cold War Modern

Reflecting on the recent experience of curating an exhibition on 'Cold War Modern: Design 1945-70' at the Victoria and Albert Museum in London, this talk will explore how viewing design after 1945 through the lens of Cold War Competition can provide new ways of understanding both the Cold War and Modernism. Ostensibly mundane and familiar objects like plastic furniture - with origins in the military application of new technology - were promoted as symbols of the advanced nature of Capitalism and Soviet-style Socialism. Cold War Modern design cannot, as I will be shown, only understood as propaganda. In the 1960s radical architects and designers on both sides of the East/West divide subverted Cold War technologies - like pneumatic structures and global telecommunications - to critique the consumerism and militarism on which Cold War competition was based.

Prof. Frithjof Meinel (Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle)
Designlehre und -forschung an der Burg Giebichenstein

Vor 50 Jahren wurde aus der bereits 1915 gegründeten Lehranstalt die „Hochschule für industrielle Formgestaltung“. Die Entwicklung verschiedener Designstudiengänge, die Gestaltung von Konsum und Investitionsgütern für die Industrie sowie der Forschungsansatz sind zunächst ein Abschnitt der DDR-Geschichte. Nach der politischen Wende musste die Burg ihre Identität in der Vielfalt deutscher Kunst- und Gestaltungshochschulen finden sowie ihren Anschluss an internationale Netzwerke organisieren. Das ist ein Prozess, der fortdauert. Dabei fokussiert dieser Beitrag ein für die Burg spezifisches Moment: den Umgang mit Ressourcen im ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontext.

Katrin Schreiter (University of Pennsylvania, Philadelphia)
Innerdeutscher Handel mit industriellem Design:
Die Kölner und Leipziger Messe als handels- und kulturpolitische Orte, 1949-1989

Dieser Beitrag untersucht Handelsmessen als Orte der Begegnung ost- und westdeutschen Designs. Entgegen der landläufigen Annahme, dass sich die materielle Alltagskultur in der politischen Abgrenzung voneinander unabhängig entwickelt hat, werden hier Faktoren der gegenseitigen stilistischen Beeinflussung vor allem auf ökonomischer und politischer Ebene analysiert. Dabei wird die These vertreten, dass beide deutsche Staaten die Messen nutzten, um ihre politische Legitimität und soziale Fortschritte durch technisch und stilistisch moderne Alltagsobjekte zu bewerben.