Abstracts

Die Abstracts zur Tagung 2013 können hier als PDF heruntergeladen werden.

Lutz Dietzold

Inventarnummer 000004 – Aschenbecher 1524

Im Jahresbericht 1956/57 des Rat für Formgebung erwähnt, umfasste die Fotosammlung „4734 Einzelfotos zuzüglich 517 Duplikate. Rund 1.000 Fotos wurden an verschiedene Interessenten ausgeliehen“. Die Zweckbestimmung leitete sich aus den satzungsgemäßen Aufgaben des Rat für Formgebung ab: „Institute und freischaffende Gestalter bei ihrer Tätigkeit zu fördern und zu beraten.“ Die Sammlung umfasst heute mehr als 40.000 Fotografien und über 8.000 Diapositive. Gesammelt wird heute nicht mehr, ausgeliehen werden die Fotografien auch nicht mehr – von der Musealisierung eines Arbeitsarchivs.

Lutz Dietzold (*1966) ist seit 2002 Geschäftsführer des Rat für Formgebung/German Design Council, Frankfurt am Main. Er studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Germanistik in Frankfurt am Main. Nach selbständiger Tätigkeit im Bereich der Designkommunikation für nationale und internationale Kunden war er von 1999 bis 2001 Geschäftsführer des Deutschen Werkbund Hessen. Von 2006 bis 2010 führte Dietzold als Geschäftsführer und fachlicher Leiter das hessische Designzentrum und sorgte in dieser Zeit für die strategische Neuausrichtung der Designförderung. Seit 2011 ist er stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Deutsches Design Museum. Lutz Dietzold veröffentlicht regelmäßig Beiträge und hält national und international Vorträge zu einer Vielzahl von Themen rund um Design. Er ist seit 2012 Mitglied im Projektbeirat des Bundespreis Ecodesign des Bundesumweltministeriums und seit 2013

Renate Flagmeier

Dialogische Sammlungsstruktur als Basis für ein Museum als Ort der Verhandlung

Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge ist ein Museum der von der industriellen Massen- und Warenproduktion geprägten Sachkultur des 20. und 21. Jahrhunderts. Kern der Institution ist das Archiv des Deutschen Werkbunds. Das Werkbundarchiv - Museum der Dinge steht als autonome Organisation bewusst in der Werkbund-Tradition und sieht seine Aufgabe gleichermaßen in deren materieller Bewahrung und wissenschaftlicher Dokumentation wie in deren zeitgenössischer Interpretation und Reflexion.

Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge sammelt seit den 1970er Jahren designhistorisch bedeutsame Objekte sowie Archivalien und Gegenstände zur Dokumentation des von der Warenkultur geprägten, modernen Alltags. Die Museumssammlung ist dialogisch aufgebaut, zum einen auf der Grundlage der polarisierenden Werkbundprogrammatik und zum auf der Basis allgemeiner Aspekte der Material-, Form-, Funktions- und Nutzungsgeschichte der Dinge im 20. Jahrhundert und der zeitgenössischen Produktkultur. Die Sammlungsobjekte in der Schausammlung sind in spannungsvollen Konstellationen gegenüber gestellt. Diese dialogische Struktur ist die Basis für das Selbstverständnis des Museums als Ort der Verhandlung über die Qualität und Bedeutung von Dingen.

Renate Flagmeier ist seit 2007 leitende Kuratorin im Werkbundarchiv – Museum der Dinge. Studium der Kunstwissenschaft und Romanischen Literaturen in Berlin und Paris, danach freie Ausstellungsarbeit und seit 1991 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Werkbundarchiv, Ausstellungen u. a.: „ohne Titel. Sichern unter...“, (1995-98), „ware schönheit - eine zeitreise“(1999), „Asche und Diamant - Sammeln in einem offenen System“ (2000-2002); 2007 Projektleitende Kuratorin der Eröffnungsausstellung am neuen Standort „Kampf der Dinge – eine Ausstellung im 100. Jahr des Deutschen Werkbunds“ (Katalog 2008). Museologische Bildungsarbeit und Lehraufträge zu Designgeschichte und Designtheorie.

 

Gisela Hahne

Archivieren und präsentieren: die Wilkhahn-Sammlung

1907 wurde Wilkhahn im einstigen „Stuhl-Tal“ zwischen Deister und Süntel im Weserbergland gegründet. Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der HfG Ulm zu einem Pionier für moderne Möbelgestaltung. Heute beschäftigt Wilkhahn weltweit rund 600 Mitarbeiter und ist auf allen Kontinenten aktiv. Im Zuge eines weltweiten Ausstellungsprojekts EXPO 2000 waren erstmalig umfangreiche Recherche- und Sammlungsaktivitäten erforderlich. Daraus entstand der Arbeitsbereich „Archiv und Dokumentation“. Handlungsfelder sind die Sicherung, Wiederbeschaffung und professionelle Organisation von Produkten und Dokumenten sowie die Integration der Exponate in aktuelle, themenbezogene Präsentationen. Veranstaltungen und Ausstellungen finden bei Wilkhahn, bei Tochtergesellschaften und Handelspartnern statt, aber auch in öffentlichen oder privaten Sammlungen und Museen. Zielsetzung ist es, die Bedeutung der Wilkhahn-Geschichte nach innen und außen für die Gegenwart und Zukunft lebendig zu halten (Sinnstiftung, Identität, Roter Faden …).

Gisela Hahne, Jahrgang 1957, lebt und arbeitet in Bad Münder. Sie ist Mitgesellschafterin in der dritten Inhabergeneration von Wilkhahn. Studium Textildesign, Weiterbildung zur Kommunikationswirtin und Aufbaustudium Kulturmanagement, jeweils in Hannover. Berufliche Stationen in Pressebüro, Grafikatelier, Kosmetikindustrie, Werbeagenturen und beim Industrie Forum Design. Seit 2006 Auf- und Ausbau des Bereichs Archiv und Dokumentation bei Wilkhahn, inklusive der Konzeption von Ausstellungen und Events zur Unternehmenskultur.

Günter Höhne

Privat sammeln – öffentlich arbeiten. Die Sammlung Höhne

Rund 10 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung begannen Claudia und Günter Höhne in Berlin mit dem Aufbau einer privaten Objekte- und Dokumentensammlung zur Geschichte des Designs in Ostdeutschland nach 1945. Auslöser war das Angebot, im Jahr 2000 innerhalb der Ausstellung „4:3 – 50 Jahre italienisches und deutsches Design“ in der Bonner Kunsthalle eine Themeninsel „Design in der DDR“ zu realisieren. Mit Verlagsanfragen, auch Bücher zu diesem Thema zu verfassen, wuchs die Sammlung, zunächst als Pool für die erforderliche fotografische Umsetzung, dann als nach Gebrauchsdisziplinen geordneter Bestand mit dem inhaltlichen Schwerpunkt Design-Prozess. Es folgten weitere Ausstellungsprojekte, und schließlich übernahmen das Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig sowie Die Neue Sammlung München die Objektsammlungen. Heute betreibt Günter Höhne die Webseite www.industrieform-ddr.de als Dokumentations-Plattform zur Geschichte des DDR-Designs.

Günter Höhne, geboren 1943 in Zwickau, ist Diplom-Journalist und arbeitet seit 1968 in Berlin für Presse, Rundfunk und Fernsehen vorzugsweise zu Alltagskultur-Themen. Er war von 1984 bis 1989 Chefredakteur der Ostberliner Fachzeitschrift für industrielle Formgestaltung form+zweck, hat seit 2001 ein gutes halbes Dutzend Bücher und viele weitere Veröffentlichungen zur Geschichte des Designs in der DDR verfasst sowie mehrere Ausstellungen kuratiert. Er ist Gründungsmitglied und Fachbeirat in der GfDg und wurde 2011 in den Werkbund Berlin berufen.

Annemarie Jaeggi

Bauhaus-Archiv / Museum der Moderne, Berlin

Mit Gründung des Bauhaus-Archivs im Jahr 1960 wurde gleichzeitig mit der Sammlung von klassischem Archivmaterial zur Geschichte des Bauhauses (Manuskripte, Briefe, Fotos, Spezialbibliothek mit Rara-Beständen) auch eine Sammlung von Schülerarbeiten verbunden. Letztere sollte den Ausbildungsgang am Bauhaus - vom Vorkurs über die Lehre in den theoretischen Fächern und den Werkstättenerzeugnissen bis zur Architektur - in der Form einer Studiensammlung anschaulich dokumentieren. Dabei konzentrierte man sich nicht ausschließlich auf das Bauhaus, sondern bettete es in den Kontext von Vorläufer- und Parallelentwicklungen im Bereich der Künstlerausbildung an Reformhochschulen ein und berücksichtigte auch die nachfolgenden Bestrebungen. Beginnend mit der Zeit um 1850 (erste Weltausstellung, Gottfried Semper, William Morris, Kunstgewerbebewegung) spannte sich der Bogen bis zu zeitgenössischen Beispielen aus den Werkkunstschulen und der Ulmer Hochschule für Gestaltung und berücksichtigte zunehmend auch Design, das außerhalb eines Schulkontextes entstand. Dabei bewegte man sich in einem Feld, das im Sinne von Sigfried Giedion eine "Tradition der Moderne" nachzeichnete. Heute ist dieses für die 1960er Jahre typische Konstrukt eines "funktionalen" und dekorlosen Designs selbst ein historisch gewordener Ansatz. Welche Sammlungspolitik verfolgt das Bauhaus-Archiv heute auf der Grundlage dieser breit angelegten Sammlung, die anders als eine klassische, den Kanon der Designgeschichte widerspiegelnde Sammlung vor allem den pädagogischen Ansatz der Ausbildung von Gestaltern berücksichtigt?

Dr. Annemarie Jaeggi ist seit 2003 Direktorin des Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung Berlin. Nach ihrem Studium in Zürich und Freiburg mit anschließender Promotion ist die gebürtige Amerikanerin Assistentin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Karlsruhe. Ihrer Habilitation folgen diverse Professur-Vertretungen. Neben ihrer Aufgabe im Bauhaus-Archiv ist Jaeggi Privatdozentin an der TU Berlin und Lehrbeauftragte an der Accademia di Architettura in Lugano/Mendrisio. Ihr Engagement umfasst zudem die Mitgliedschaft in verschiedenen Gremien sowie zahlreiche Veröffentlichungen.

Hartmut Jatzke-Wigand

Sammeln – Weiterbilden – Zeigen: Braun-Design und die Zeitschrift Design+Design. Erfahrungsbericht eines Sammlers

Der persönlich gehaltene Erfahrungsbericht zeigt Aspekte des Sammelns auf, er bezieht zentrale Aussagen auf einen theoretischen Kontext. Die ständige Suche des Sammlers nach Objekten und Qualität, dabei die Erweiterung seiner ästhetischen Kompetenz, wird beispielhaft am Sammeln von 'Braun-Design' dargestellt. Weiterhin der Austausch, das wichtige Entstehen einer Sammlergemeinschaft mit der dafür zentralen Zeitschrift Design+Design.

Hartmut Jatzke-Wigand, gelernter Radio- und Fernsehtechniker, Elektroingenieur, Gewerbelehrer, Dozent und Berater. Veröffentlichungen u. a. zur historischen Kommunikationstechnologie, zum Braun-Design, zu den audiovisuellen Geräten von Brionvega, Bang&Olufsen, Loewe und Bose. Werkportraits u. a. über Bellini, Sottsass, De Lucchi, Castiglioni, Eames und Fukasawa.

Andreas Ludwig

Nadeln im Heuhaufen oder: Wie weit reichte die Professionalisierung des Industriedesign im Alltag? „Designobjekte“ in den Sammlungen des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR

 

Unter den 150.000 Sammlungsobjekten des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR befinden sich „Designobjekte“ in erstaunlicher Menge und Breite – gemessen an den bei Hirdinas „Gestalten für die Serie“ und in form+zweck diskutierten Gegenständen der industriellen Formgestaltung. Allerdings handelt es sich um eine sektorale Durchdringung, deren Ursachen in einer fortschreitenden Professionalisierung der Gestaltung von Massenprodukten ebenso zu suchen sind, wie in den Besonderheiten politisch bedingter, planwirtschaftlicher Innovationsschübe. Als Museumsstücke bilden die identifizierbaren „Designobjekte“ eine industrie- und gesellschaftspolitisch distinkte Teilmenge. Zugleich werfen die Dinge in ihrer musealisierten Form Fragen nach distinktiven Merkmalen, einer generationellen Zuordnung und einer Wertzuweisung als historische Quellen im Rahmen einer Musealisierung der DDR auf. Sind die „Designobjekte“ als Teil einer Ausstattung mit Gebrauchsgütern oder kulturell herausgehobene Funde in einem Meer banaler Alltagsdinge? Der Beitrag erörtert dies an konkreten Beispielen aus der Museumssammlung und will zugleich auf Forschungsdefizite aufmerksam machen.

Dr. Andreas Ludwig, Historiker. Studium der Geschichte und Germanistik an der FU Berlin. Arbeiten zur Alltagsgeschichte, zur Geschichte der Urbanisierung, zu Musealisierungsfragen und zur materiellen Kultur. 1993 bis 2012 Konzeption und Leitung des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR, dort mehr als 20 Ausstellungen, darunter 2011/12 "Alltagsdinge. Formgestaltung in der DDR". Arbeitet derzeit an Fragen der materiellen Kultur als Quelle für die Geschichtswissenschaft. Lehrbeauftragter für Museologie an der Europa-Universität Viadrina.

Timo de Rijk

Collecting design for design education: The Henri Baudet Institute in Delft

From the start in 1965 the Faculty of Industrial Design Engineering of Delft University of Technology owes a wide variety of historical products, mainly in use for drawing exercises. During the 1990s a small group of design historians decided to widen the scope of the collection in order to develop a historical design collection. It was named The Henri Baudet Institute after the first historian affiliated to the Faculty of Industrial Design. From 1998 onwards the collection policy consists of four parts: 1) innovative products in the field of (technical) domestic and office equipment, 2) products that illuminate the history of consumerism, 3) products with a commitment to the history of the Delft faculty. 4) historical products in the field of the research themes of the faculty, such as sustainability, design typologies and product-service combinations. This lecture will pay attention to the possibilities and difficulties of the collection and the way it is used for demonstrations in education, for design exhibitions and in the media.

Prof. Dr. Timo de Rijk is trained as an art historian. He is associate professor of Design History at the Faculty of Industrial Design Engineering, Delft University of Technology and professor of Design Cultures at VU University, Amsterdam, both in The Netherlands. De Rijk is chairman of the Association of Dutch Designers.

Johanna Sänger

Zur Entstehung der Sammlung Industrielle Gestaltung in der DDR

Der heute in seiner historischen Bedeutung vieldiskutierte Bestand umfasst überwiegend Produktdesign aus der DDR und wurde vom zentralen staatlichen Amt für industrielle Formgestaltung angelegt. Seine Genese verweist exemplarisch auf die Rolle von Produktdesign zwischen Warenwert und Ästhetik in der Planwirtschaft. Die nach 1950 angelegte Musterkollektion stand von Anfang an im Dienst der ostdeutschen Wirtschaftspolitik ebenso wie der Geschmacksbildung und der sozialen Verheißung eines besseren Lebens im neuen sozialistischen Staat. Welche Dinge diesen Zielen entsprechen sollten und gesammelt wurden, war abhängig von kulturpolitischen Einflüssen und zugleich von den pragmatischen Bedürfnissen des Instituts mit Entwurfs- und Ausstellungsabteilung und daher wiederholt Änderungen unterworfen. Im Vortrag soll die Gründung und Entwicklung des Bestands zwischen 1950 und 1990 thesenhaft umrissen werden. Der Beitrag versteht sich als Anregung zur Diskussion über die designhistorische Bedeutung der Sammlung und die politische Rolle des Amts für industrielle Formgestaltung in der DDR.

Dr. Johanna Sänger, Kuratorin für Stadt- und Landesgeschichte ab 1800 am Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig. Geb. 1970 in Thüringen. Studium der Germanistischen Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Soziologie und Kulturgeschichte in Jena und Lyon. Promotion 2005 mit einer Arbeit über die Straßennamen der DDR. Seit 1999 an Ausstellungen beteiligt und für Museen tätig. 2005-2007 Volontariat am Museum für Kommunikation Berlin. 2008-2012 wissenschaftliche Leiterin der Sammlung Industrielle Gestaltung und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Haus der Geschichte in Berlin.

Jana Scholze

Intangibles. Collecting interface / Unfassbar. Immaterielles Sammeln

Die Ankunft im digitalen Zeitalter hat unsere Gesellschaft, Politik und Kultur in unvergleichbarer Weise herausgefordert und verändert. Wir waren Zeugen einer Transformation von einer post-industriellen in eine digitale Gesellschaft, die in einer globalen Welt operiert. Diesen Veränderungen ging ein dramatischer Wandel der Design- und Herstellungsprozesse von Objekten voraus. Dieser Wandel der aktuellen Designpraxis stellt die konventionellen Vorgänge des musealen Sammelns, Interpretierens und Ausstellen auf eine Probe.

Dieser Vortrag geht der Frage nach, wie die aktuelle Designpraxis beschrieben werden kann, wenn sich die Grenzen zwischen Disziplinen verwischen und konkrete Objekte verschwinden. Der prozessuale Charakter von Designprojekten eröffnet die Möglichkeit sowohl von vielfältigen Objekten als auch keinem materiellen Objekt als Endergebnis. Solche Resultate widersetzen sich der konventionellen Praxis des Sammelns und Ausstellens. Beispiele des Produkt- und diskursiven Designs, einschließlich kritischen, spekulativen and interaktiven Designs sollen im Vordergrund stehen, um einen theoretischen Diskurs anzuregen, der aus der kritischen Analyse Empfehlungen für eine konkrete Praxis ableitet.

Dr. Jana Scholze ist Kuratorin für zeitgenössische Möbel am Victoria und Albert Museum in London. Sie war an einflussreichen Ausstellungen beteiligt, wie „Cold War Modern. Design 1945-1970“ (V&A, 2008). Ihre Forschungsschwerpunkte gelten dem Design des 20. und 21. Jahrhunderts sowie der Museumstheorie. In beiden Themengebieten hat sie mehrfach publiziert (z. B. „Medium Ausstellung“, Transcript 2004). In einem gemeinsamen Projekt mit dem Royal College of Art betreut sie zwei Doktoranten. Sie ist Lektorin für Ausstellungskritiken für die Zeitschrift Design and Culture.

Manfred Sommer

Sammeln: Brauchbares und Sehenswertes

Der Vortrag beschreibt, wie sich menschliche Sammeltätigkeit aufgliedert: einerseits das Anhäufen von Dingen zum späteren Verbrauch, andererseits das Zusammentragen und Aufbewahren von sehenswerten Gegenständen. Dieses ästhetische Sammeln will das Wunderbare und Sonderliche, das Kuriose und Schöne dauerhaft zusammenhalten, damit es jederzeit der Betrachtung zugänglich bleibt. Sowohl natürlich vorfindbare als auch von Menschen hervorgebrachte Gegenstände können sich in diesem Sinn als sehenswert erweisen. Während Werke der bildenden Kunst einzig und allein dazu da sind, betrachtet zu werden, sind die meisten handwerklich und technisch produzierten Dinge, die uns umgeben, zwar brauchbar, aber außerdem doch so gestaltet, dass sie sich - und wir uns mit ihnen - gut sehen lassen können. Wer Sehenswertes gesammelt hat, tendiert stets dazu, es zu zeigen und, durch es, sich zu zeigen. So ergibt sich die Ausstellung als Konsequenz aus dem Sinn des ästhetischen Sammelns.

Prof. Dr. Manfred Sommer ist Professor für Philosophie an der Universität Kiel. Forschungsgebiete: Phänomenologie, Gestalttheorie, Bewusstseinsgeschichte. Wichtigste Bücher: Evidenz im Augenblick (1987), Sammeln (1999), Suchen und Finden (2002). Herausgeber der Schriften von Hans Blumenberg.

Josef Straßer

Die Neue Sammlung

Die Neue Sammlung als eines der ältesten Designmuseen kann auf eine annähernd 100jährige Sammlungsgeschichte zurückblicken. Beispielhaft gestaltete moderne Dinge des alltäglichen Gebrauchs, die Konzentration auf „Das Neue“ sowie die internationale Ausrichtung waren die zentralen Punkte und spielen auch heute noch eine entscheidende Rolle. Aber allein schon aus den Veränderungen der Designgeschichte innerhalb dieses Zeitraums und aus den Akzentverschiebungen zwischen den ursprünglichen Sammlungskriterien der Anfangsjahre bis hin zur Gegenwart ergeben sich unterschiedliche Fragestellungen und Sichtweisen: Dazu gehören die Wechselwirkungen zwischen Sammeln und Ausstellen, die Bedeutung von Abgrenzungen und Kontinuitäten, die Erschließung neuer Bereiche und damit die Grundfragen „was ist sammelwürdig?“ für ein Designmuseum und „was ist heute überhaupt noch möglich und sinnvoll?“.

Dr. Josef Straßer studierte Kunstgeschichte, klassische Archäologie und historische Hilfswissenschaften an den Universitäten in München und Salzburg. Nach seiner Promotion über ein Thema zur süddeutschen Barockmalerei arbeitete er über Kunst und Design des 19. und 20. Jahrhunderts. Seit 1991 ist er an der Neuen Sammlung, Staatliches Museum für angewandte Kunst, als Konservator für Design tätig.

Eine Veranstaltung der Gesellschaft für Designgeschichte in Zusammenarbeit mit dem Werkbundarchiv – Museum der Dinge und dem Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin