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Eine einzigartige Designsammlung:
Museo do Artesanato e do Design de Évora (Portugal)
25 Mestres do Design Internacional

Paulo Parra, einer der bedeutendsten portugiesischen Designer, hat in den vergangenen Jahrzehnten eine Designsammlung geschaffen, die einzigartig ist. Sie beruht auf allesamt selbsterworbenen Stücken – also ohne Museum, ohne öffentliche Förderung – und umfasst heute rund 3.000 Designobjekte. Aus diesen „Icones do Design“ zeigt das Museo do Artesanato e do Design de Évora (in der Region Alentejo, eine Universitätsstadt im Süden Portugals) nunmehr eine bemerkenswerte Auswahl: „25 Mestres do Design Internacional“ anhand von 125 ausgewählten Objekten. Die Liste liest sich wie ein „Who is Who“ des Designs im 20. Jahrhundert: Von Peter Behrens, über Marcello Nizzoli, Raymond Loewy, Wilhelm Wagenfeld, Max Bill, Ettore Sottsass, Luigi Colani, Roger Tallon, Enzo Mari, Dieter Rams, Mario Bellini u.a.m bis hin zu Philippe Starck. Und da kann man sie nunmehr studieren, diese Klassiker der Designgeschichte), allesamt exzellent erhalten und wohltuend ruhig präsentiert, wie beispielsweise:

  • der Ventilator von Peter Behrens (1908)
  • Nizollis Rechenmaschine Summa 15 (1949) und Schreibmaschine Caneta 88 (1947)
  • Raymond Loewys Gestetner Umdrucker (1929), mit dem dessen Karriere in den USA begann, und auch eine Original Lucky Strike Packung (1940)
  • Wilhelm Wagenfelds Radio für Braun (1955) und ein kaum bekannter Plattenspieler (1956)
  • Max Bills kaum bekannte Tischuhr aus Holz für Junghans (1957)
  • Ettore Sotssass legendäre Valentine Schreibmaschine (1969)
  • Luigi Colanis Canon Kamera (1968)
  • Enzo Maris Kalender Bilancia (1959)
  • von Dieter Rams diverse Braun-Klassiker
  • Mario Bellinis Divisumma 18 (1973)
  • Philippe Starcks Fernseher Jim Nature (1994) für Thompson

und viele viele andere mehr.

Zu der Ausstellung erschien ein kleiner Katalog, herausgegeben vom Tourismusverband Alentejo in Évora (siehe das Bild oben: ISBN 978-989-96306-1-1). Dort erschien aber auch ein umfangreicherer Band „Icones do Design. Coleccao Paulo Parra“ (Évora 2009, ISBN 978-989-96306-0-4), der immerhin eine Teilübersicht über diese Designsammlung bietet. Diese muss eigentlich erst noch entdeckt werden: die Erschließung durch den Tourismusverband ist reichlich ungewöhnlich, aber sicherlich nur ein erster Schritt hin zu einem größerem Bekanntheitsgrad nebst größerer Öffentlichkeit.

Parallel zu den Design-Klassikern zeigt das Museum noch eine Sammlung „Caideiras de Design Nacional: 250 Anos a sentar Portugal“ (ISBN für den abgebildeten Katalog: 978-989-96396-4-2). Aus der Sammlung Paolo Parras werden hier Prototypen portugiesischen Möbel-Designs des 20. Jahrhundert gezeigt: dort findet man die Entwicklungen im Handwerk, zu den Stahlrohrmöbeln der 1920er Jahre, den Kunststoff-möbeln der 1960er Jahre bis hin zu aktuellen Beispielen von Architektenstühlen.

Für die Forschung zur Designgeschichte ist dies allesamt reichlich außergewöhnlich, und eine gigantische Fundgrube zugleich. Eine Reise dorthin lohnt also allemal, von Lissabon nach Évora sind es ja nur noch rund 100 km; und die Weine aus der Region Alentejo sind ebenfalls exzellent, was ja zu einer guten Forschung unbedingt dazugehört.

(Bernhard E. Bürdek)