Erster Studierenden Kongress Design Essen 2015 | SKD 2015
Der Begriff der Gestaltung als Dispositiv designwissenschaftlicher Forschung
Call for Papers bis zum 31. August 2015

Erster Studierenden Kongress Design Essen 2015 | SKD 2015
Der Begriff der Gestaltung als Dispositiv designwissenschaftlicher Forschung
Folkwang Universität der Künste, 20.11. – 22.11.2015

– Call for Papers –

Im Jahr 1927 äußerte sich Ludwig Mies van der Rohe in einem Schriftwechsel mit Walter Riezler kritisch gegen den Titel der Werkbund-Zeitschrift „Die Form“. Ausgetragen wurde diese Auseinandersetzung in der „Zeitschrift für gestaltende Arbeit“ selbst, kurz nachdem Riezler die Redaktionsleitung der „Form“ übernommen hatte. Mies kritisierte den Begriff der Form und forderte den Gestaltungsprozess selbst in den Vordergrund zu rücken. Bei der Form handele es sich nicht um das eigentliche Ziel, vielmehr um das Ergebnis einer ganzheitlich durchdachten Gestaltung (Ludwig Mies van der Rohe; Walter Riezler: Zum neuen Jahrgang. In: Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit, 2.1927, S. 1f., S. 59f.).

Das Wesen der Gestaltung nicht auf ihr Ergebnis – die Form – zu reduzieren, kann als ein zentrales Konzept des nichtvollendeten Projekts der Moderne bezeichnet werden. Die seit zwei Jahrzehnten allseits zu beobachtende Rückkehr zur Form markiert weniger eine post-postmoderne Annäherung von Kunst und Design, vielmehr beinhaltet der material turn die Re-Aktualisierung eines überwunden geglaubten Konzepts. Dabei rückt der Hylemorphismus, der klassische Konflikt von Stoff und Form, erneut in den Vordergrund. Wie die Avantgardebewegungen diesen Gegensatz als Dispositiv zeitgemäßer Gestaltung in Abgrenzung zum Stilpluralismus des Historismus begriffen haben, so erfährt das Bewusstsein für die Komplexität des Gestaltungsbegriffs heute eine neue Wertschätzung.

Die Auffassung von Gestaltung als bewusstseinsförderndes Moment verlangt neue Wege der theoretischen Auseinandersetzung. Wird momentan noch immer darum gestritten, was Designwissenschaft ist, fordern wir über das „Wie“ designwissenschaftlicher Forschung nachzudenken, obwohl wir diese Diskussion auch als einen Beitrag zu der seit Jahrzehnten nur selten substantiell beantworteten Frage nach dem „Was“ der Wissenschaft verstehen. Die Herausstellung des Dispositivs der Gestaltung erweitert die an eine vereinfachende Lesart der Kunstgeschichte angelehnte Reduktion auf das Objekt als Form auf den holistischen Prozess der Formgestaltung als Gegenstand der Designwissenschaft. Der polyfokale Akt der Gestaltung fordert eine vielschichtige analytische Betrachtung. Diese Aufmerksamkeitsverschiebung bedingt eine Veränderung der Forschungsfragen, auf die es wiederum mit erweiterten methodischen Instrumentarien zu reagieren gilt.

Der Studierenden Kongress Design 2015 fokussiert den Begriff der Gestaltung als Dispositiv (Agamben/ Foucault). Dadurch legen wir wesentliche methodische Zugriffsmöglichkeiten für eine sich formierende, erkenntnisorientierte Disziplin frei. Veranschaulicht gesprochen ermöglicht das Dispositiv ein Netz aus diskursiven und nichtdiskursiven Elementen zu spannen und damit auf Ordnungsverschiebungen in produktiver Weise zu reagieren. Die neu zu denkende Betrachtung des Dispositivs erscheint damit sowohl im einzelnen individuellen Beitrag als auch für das gesamte kollektive Selbstverständnis der designwissenschaftlichen Disziplin von Relevanz zu sein. Denken wir den Begriff der Gestaltung neu!

Mit dem Bestreben einer fortwährenden Diskursbildung ruft der erste Studierenden Kongress Design 2015 entschieden zum hochschulübergreifenden Austausch auf studentischer Ebene auf. Angesprochen sind vor allem Studierende, aber auch NachwuchswissenschaftlerInnen, aus den Bereichen Designwissenschaft, Design und benachbarter geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Wir rufen die aktive Mitgestaltung an dem Institutionalisierungsprozess der eigenen Disziplin aus und fordern die gleichberechtigte Teilhabe an dem wissenschaftlichen Diskurs.

Gewünscht sind Vorträge von max. 25 Minuten Länge, die den Begriff der Gestaltung auf der Ebene der Praktiken, Subjektivationen oder Objektivationen unter Einbezug des gesellschaftstheoretischen Kontexts dia- oder synchron untersuchen. Die Publikation der Kongress-Beiträge ist vorgesehen. Die Abstracts sollten einen Umfang von 500 Wörtern nicht überschreiten. Weitere Formate sind herzlich willkommen. Beitragsvorschläge und Rückfragen sind bis zum 31.08.2015 erbeten. Anmeldungen für die Kongressteilnahme ohne eigenständigen Beitrag sehen wir bis zum 31.10.2015 vor. Für die Veranstaltung wird keine Gebühr erhoben. Dem Charakter studentischen Austausches entsprechend wird ab Herbst über eine Schlafplatzbörse die Möglichkeit zur kostenfreien Unterkunft geboten. Momentan wird ein umfassendes Rahmenprogramm erarbeitet, dabei ist ein gemeinsamer Besuch des Museum Folkwang fest eingeplant.

Der Studierenden Kongress Design 2015 wird organisiert von Studierenden des Masterprogramms „Kunstund Designwissenschaft“ und des Graduate Programm Gestaltung „Heterotopia“ der Folkwang Universität der Künste. Ort des Kongresses ist das SANAA-Gebäude auf dem Areal der zum Weltkulturerbe der UNESCO gehörenden Zeche Zollverein.

Kontakt: skd2015@folkwang-uni.de

5. Juli 2015