Social Design im designreport
Leserbrief von Bazon Brock und François Burkhardt

Die Ausgabe 6/2016 des designreport brachte ein Feature zu dem kürzlich im transcript-Verlag erschienenen Band "Social Design". Daraufhin monierten Bazon Brock und François Burkhardt in einem Brief an die Redaktion, dass ihre eigenen Beiträge zu diesem Thema aus den 1970er Jahren in dem Feature unerwähnt geblieben waren. Im Editorial des Heftes 2/2017 gab es daraufhin einen Hinweis auf diesen Brief, den die Leserschaft jedoch nicht zu lesen bekam.

Wir meinen, dass der Brückenschlag vom "Sozio-Design" der 1970er Jahre zum Social Design in der heutigen Zeit maßgebliche Einsichten zur historischen Einordnung vermitteln kann und wünschen uns eine Debatte zur Geschichte und Praxis des Sozialen im Design. Auch unsere 2014 zusammen mit dem Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg durchgeführte Tagung "Social Design" hatte dieses Anliegen. Zumal einige Beiträge der Tagung von 2014 der Buchpublikation zugrunde liegen, veröffentlichen wir im Folgenden den von Bazon Brock übermittelten Brief. Die Redaktion des designreport hat inzwischen zugesagt, im kommenden Heft auf die Positionsbestimmungen in den 1970er Jahren einzugehen.

Vorstand GfDg

 

Hier das Schreiben vom 6. Februar 2017 an den designreport

Verehrte Kollegen,

darf ich das Befremden von François Burkhardt und das meinige nachdrücklich vortragen über Ihre Ranküne im Designreport (6/2016) über Social Design mit vollem Mutwillen jeden auch noch so geringen Hinweis auf die Tatsache zu vermeiden, dass das Internationale Designzentrum IDZ im Zeitraum von 1971-1985 diverse Ausstellungen, Kongresse, TV-Filme unter dem Generalstichwort "Sozio-Design" veranstaltete und veröffentlichte. Als geradezu infam muss Ihr Vorgehen empfunden werden, weil unserer Definition von Sozio-Design ganz prägnante Begriffsbestimmungen und zahllose Beispiele aus Entwurfsseminaren des IDZ zugrundeliegen, die die Sache fassen, anstatt das von Ihnen bevorzugte Heißluftgebläse "Alle Menschen sind Gestalter" zu bejubeln.

Über die Rezeption des von Ihnen angegebenen Viktor Papanek lässt sich weiß Gott in Deutschland anders berichten als durch das Zitat einer Haltlosigkeit. Es ist ganz unwahrscheinlich, dass Autoren zentrale Begriffe ihrer in Arbeit befindlichen Publikationen nicht im Netz abgleichen, also werden sie das auch mit dem Begriff Sozio-Design respektive Social Design gemacht haben. Das Resultat dieser heute bereits von Grundschülern obligatorisch verlangten Recherche ihren Lesern nicht mitzuteilen, ist nicht nur akademisch unzulässig, sondern kollegial völlig inakzeptabel – zumal für ein Presseorgan eines Kollegialkollektivs wie es eben der Rat für Formgebung ist. Wir bitten um Aufklärung.

Mit verbindlichen Empfehlungen
François Burkhardt und Bazon Brock

Denkerei
Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen
und Maßnahmen der hohen Hand
Oranienplatz 2
10999 Berlin
fon 030-61671001
bazonbrock@bazonbrock.de

23. April 2017