Neue Bücher zu Hannes Meyer
Herausgegeben von Philipp Oswalt u. a.

Prof. Philipp Oswalt
Universität Kassel
Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen
 
Hannes Meyer, Direktor des Bauhaus Dessau von 1928 - 1930, ist bis heute in der Wahrnehmung des Bauhauses marginalisiert. Nachdem zu seinem 100. Geburtstag 1989 in Ost und West eine intensive Befassung stattgefunden hatte, gab es seitdem kaum neue Erkenntnisse , die über punktuelle Betrachtungen hinausgingen. Diese eklatante Lücke versuchen drei Publikationen zu adressieren und zielen darauf, neue Sichten auf das Werk und die Person Hannes Meyer einschließlich einer Rezeption- und Wirkungsgeschichte zu bieten:
 
(1) Hannes Meyer und das Bauhaus. Im Streit der Deutungen
Hg. von Thomas Flierl und Philipp Oswalt, Spector Books Leipzig, ca. 640 Seiten, erscheint Oktober 18,

An Hannes Meyer, Walter Gropius’ Nachfolger als Bauhaus-Direktor (1928–1930), schieden sich die Geister. Dieses Buch räumt mit groben Fehldarstellungen auf, die sich durch die Bauhaus-Geschichtsschreibung ziehen, und liefert viele unbekannte Fakten über die politische Biografie des Architekten und Sozialisten. An Person und Werk Hannes Meyers kristallisiert sich eine Grundsatzdebatte über die schwierige, nach wie vor drängende Frage, wie Architektur einen Beitrag zu einem besseren gemeinsamen Leben leisten kann.

Der erste Teil dieses Buches dokumentiert mit Reprints historischer Publikationen aus drei Jahrzehnten Hannes Meyers Bauhaus-Konzeption. Im zweiten Teil werden die Weiterentwicklung von Meyers Ideen und die Debatte über diese in den verschiedenen Teilen Europas und Amerikas seit den späten 1920er Jahren analysiert. So wird die wichtige Traditionslinie einer architecture engagée nachgezeichnet, die von der amerikanischen Linken über die italienischen Rationalisten und die HfG Ulm und parallel von der sowjetischen Avantgarde über die tschechoslowakische Nachkriegsmoderne bis zur HAB Weimar und zur Bauhaus-Stiftung in Dessau reicht.

(2) Hannes Meyers Bauhauslehre – Von Dessau nach Mexiko
Hg von Philipp Oswalt, Bauwelt Fundamente, Band 164. Birkhäuser Verlag, ca 580 Seiten, erscheint Dezember 2018

Hannes Meyer hat die Bauhauspädagogik nach der Krise von Gropius Konzept einer neuen Einheit von Kunst und Technik wesentlich verändert und neu konzipiert. Er führte durch Neuberufungen und Gastlehrer neue Wissensgebiete ein. Er orientierte das Entwerfen auf konkrete gesellschaftliche Aufgaben und bezog aktuelle wissenschaftliche Methoden ein. Ihm gelang es so erstmalig, mit Studierenden Bauprojekte und Industrieprodukte zu realisieren. Aufbauend auf neuen Forschungen zeigt das Buch sowohl die geistigen Hintergründe des neuen Lehrkonzeptes wie die konkrete Unterrichtspraxis in den einzelnen Fächern auf, lässt Lehrende und Studierende zu Wort kommen, geht den Weiterentwicklungen dieses pädagogischen Ansatzes bis zur Hfg Ulm nach und spürt den Auswirkungen des Unterrichts in dem Oeuvre seiner Schüler nach .

3. Hannes Meyer: Rosa Bauhausalbum
Hg. von Philipp Oswalt, Spector books Leipzig, , ca. 200 Seiten dt/ engl. Geplantes Erscheinungsdatum Sommer 2019

In mexikanischen Exil begann Hannes Meyer, auch als Reaktion auf Gropius Bauhausausstellung im Museum of Modern Art 1938, ein Buch zu seiner Bauhauskonzeption zu entwickeln. Obwohl in mehrjähriger Entwicklung konzeptionell ausgearbeitet und layout, konnte dieses "rosa Bauhausalbum" aus Mangel an Geld und Unterstützung nicht mehr zu Meyer Lebzeiten erschienen. Anhand der verstreuten Unterlagen aus seinem Nachlass wird das Buch rekonstruiert und mit einem Kommentar versehen publiziert.

 

15. September 2018